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Grand Prix Revival 2014 – Brünn

Historisch

FIA Masters Historic Formula One Championship © Rudolf BeranekFIA Masters Historic Formula One Championship © Rudolf Beranek

Das internationale Festival für historische Rennfahrzeuge und Motorräder gastierte im Automotodrom Brünn auf dem Masaryk-Ring ist.

Historic – Experte Alexander Trimmel erzählt von seiner Zeitreise:

Schon die Anreise zum neuen Masaryk-Ring (erbaut 1987) nahe Brünn (Tschechien) lässt Retro-Romantik-Phantasien blühen. Es geht auf der Stadtautobahn vorbei an Industrie-und Gewerbebauten, die den Charme vergangener Kommunismuskultur nicht verbergen können, im Hintergrund begleitet von Stadtteilen anonymer Plattenbau-Hochhaus-Architektur der 60er-Jahre, bis man, geleitet von „Motodrom-Schildern“ in einen stadtnahen Waldbereich eintaucht und endlich an dieser wunderschönen Naturrennstrecke ankommt.

Stellen Sie sich vor, wenn historische Rennautos auf einer Strecke, wie zum Beispiel von Abu Dhabi Sand spielen müssten? Utopische Stahl-Glas-Architektur mit bizarren computergesteuerten Farblichtspielen… und dann ein schüchterner Vorkriegssaurier auf der überdimensionalen Strecke?

Ganz anders, wie wohltuend, hier in Brünn: Es scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Der Strecke, den Gebäuden des Fahrerlagers, dem ganzen Ambiente sind die letzten knapp 30 Jahre deutlich anzusehen.

Wie gut haben sich hier die historischen Autos integrieren können. Dazu die Begeisterungsfähigkeit des Publikums. Die Stimmung war ganz einfach großartig.

Auch im zweigeteilten Fahrerlager: Waren im boxennahen Paddockbereich die Race-Trucks von „Hall & Hall“, „Classic Team Lotus“ etc. hochglanzpoliert aneinandergereiht, so gab es knapp dahinter das zweite „Amateur-Fahrerlager“, das die Teilnehmer der Historischen HAIGO-Tourenwagen und Formel-Trophy (Lada, Skoda, MTX, Estonia, etc.) beherbergte, als auch die nicht ohne Stolz präsentierte, vom Kommunismus geprägte Motorsportvergangenheit im damaligen Ost-Block: Alles wurde aufgeboten, vom top-patinösen Skoda-Special, über die so erfolgreichen, mit sparsamen Mitteln erfinderisch-genialen ostdeutschen Melkus-Rennwagen mit Wartburg-Technik (3 Zylinder Zweitakt) bis zum Tatra 607 Monoposto von 1950, mit luftgekühltem 2,5 Liter V8-Leichtmetallmotor.

Noch ein paar Schritte weiter standen die historischen Motorräder. An die 60 tschechischen Cracks nahmen an einer Motorrad-Demo-Session teil, mit faszinierendem Material, wie Torpedo V4 von 1909 (1640ccm), ESO 500 (1950), Ural 600 Beiwagen von 1950, oder den diversen CZ’s und Jawas. Als Garnierung wurde Jim Redman, rhodesischer 6-facher Weltmeister bei den 250ern und 350ern der 60er Jahre auf seiner Honda eingeladen.

Nun kurz zum Sportlichen: Das Rennen der „Pre-1961 Grand Prix Cars“ dominierte der bildschöne Maserati 250F (1954) von Guillermo Fierro (Spanien) vor dem überraschend schnellen Aston Martin DBR4 des Belgiers Valvekens und dem Alta des Briten Ian Nuthall.

Das älteste Auto am Start, der ERA von 1936 des Schweizers Heinz Bachmann fiel leider nach nur 3 Runden mit technischen Problemen aus.

Der Sieg des Rennens der „Pre-66 Grand Prix Cars“ ging an Peter Horsman (GB) im Mittelmotor- Lotus 18 von 1961, vor dem Cooper T51, dem Weltmeisterwagen von Jack Brabham, von 1959.

Den Monoposto-Höhepunkt bot zweifelsohne der Lauf zum FIA Masters Historic Formula One Championship. Welch tolle Geräuschkulisse der Dreiliter-Ford-Cosworth-V8-Motoren hallte nach dem Start des Feldes durch den Wald. Die 12 gestarteten Formel 1-Wagen von 1974 bis 1983 lieferten sich erbitterte Kämpfe, und dies, mit österreichischer Beteiligung: Franz Guggemos fuhr einen Hill GH2 von 1975. Ein sehr interessantes Auto, das von Tony Brise für die Saison 1976 zwar getestet wurde, jedoch, nach dem Flugzeugabsturz, bei dem sowohl Teambesitzer Graham Hill, wie auch Fahrer Tony Brise und Konstrukteur Andy Smallman ums Leben kamen, nie in einem F1-Lauf eingesetzt wurde. Gewonnen wurde der Lauf von Steve Hartley auf dem orange-weißen Ragno-Arrows A4 von 1982 vor Simon Fish (Ensign N180) und dem John-Player-Lotus 91 von Gregory Thornton des „Lotus Classic Team“.

Heiße Kämpfe gab es erwartungsgemäß bei der FIA Lurani Trophy der Formula Junior. Pierre Tonetti (I) gewann auf seinem Brabham BT6 knapp vor Andrew Beaumont (GB) auf Lotus 22, der ihm bis zur Ziellinie erbarmungslos folgte.

Einen weiteren Höhepunkt bildete zweifelsohne das 1-Stundenrennen zum FIA Masters Historic Sports Car Championship, das der Italiener Jason Wright auf seinem dunkelgrünen 5-Liter-Lola T70 Mark3B von 1969 für sich entscheiden konnte. Lange Zeit konnte Pierre Tonetti (I) auf Huffaker Genie Mk10 (1964) Widerstand leisten, ehe er in der 19. Runde ausfiel. So ging der zweite Platz an den von Graham Adelman (USA) gelenkten 2-Liter Lola T210, im BonGrip-Livre des Joakim Bonnier Racing Teams. Andrew Newall lenkte in diesem Rennen einen Chevron B8 dermaßen spektakulär um den Kurs, dass den Zuschauern bisweilen der Atem stockte. Belohnt wurde der Husarenritt mit einem dritten Platz im Gesamtklassement. Der Österreicher, Arthur Bruckner, erreichte nach einem wilden Dreher mit seinem Lotus 23B den zehnten Rang.

Ein sehr interessantes Auto, der vom leider mittlerweile verstorbenen Chris Lawrence entwickelte Morgan Plus 4 SLR von Keith Ahlers (GB), wurde im Rennen der Gentleman-Drivers Pre-66-GT and Touring Cars nach 35 Runden Zweiter hinter dem Lotus Elan 26R der neuseeländischen Fahrerpaarung John Hitch und Barry Hare. Den dritten Platz sicherten sich Michael Gans (I) und Andy Wolfe (GB) auf ihrem AC Cobra.

Weitere Ergebnisse, der insgesamt 14 Rennen und 8 Demonstrationsfahrten sind unter www.brnogp.com abrufbar.

Insgesamt war es eine sehr gelungene Veranstaltung im perfekt passenden Rahmen. Es kam nie Langeweile auf, keine unnötigen Pausen störten den überaus interessanten Ablauf der Veranstaltung. Eine Verbesserung wäre vielleicht anzumerken: Wäre am gleichen Wochenende nicht zeitgleich die „Le Mans Classic“, würden sich höchstwahrscheinlich viel mehr Starter beim „Brünn Revival“ einfinden. Ich würde dies dem Veranstalter für das nächste Jahr auf jedem Fall wünschen….

Für die Heimreise nach Wien wählten wir die Bundesstrasse vom Motodrom Brno nach Brünn-Stadt. Nach wenigen Kilometern Fahrt kam nochmals Melancholie ins Spiel, als ich meinen Mitfahrern die noch immer genutzten ehemaligen Boxen und Zielrichtertürme der alten Masarykringstrecke zeigte, die mitten durch Brünn führte. Mittlerweile sind Geschäfte und Werkstätten in die Boxen eingezogen, die Boxenstrasse dient zum Parken in der Nebenfahrbahn. Was waren das für Zeiten, als Dieter Quester noch mit dem 3-Liter BMW-Coupe durch Brünn donnerte, oder Gerhard Berger im 635er BMW…. Aber das ist eine andere Geschichte….

Fotos: Alexander Trimmel