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Jo Gartner – Der Formel 1 Pilot aus dem Schnellbahnbogen

Formel 1, Motorsport allgemein, Sportwagen

Jo Gartner 24.1.1954 - 1. Juni 1986 © Rudolf BeranekJo Gartner 24.1.1954 - 1. Juni 1986 © Rudolf Beranek

Am 1. Juni 2016 jährt sich zum dreißigsten Mal der Todestag des ehemaligen Formel 1 Piloten aus Wien, der in Le Mans tödlich verunglückte.

Josef „Jo“ Gartner, Freunde nannten ihn eigentlich Seppi, nur seiner Freundin Doris ging einmal beim Sticken des Namens in den Overall der Platz aus und kürzte den Vornamen mit Jo ab. Seinen ersten Kontakt zum Motorsport ergab sich, als er 1972 nach einem Ferialpraktikum suchte.

Vom Praktikanten zum Konstrukteur

Schließlich landete er in der Rennwagenschmiede von Kurt Bergmann, der in Wien-Essling die äußerst erfolgreichen Formel Vau Boliden der Marke Kaimann baute. Österreichs Nachwuchspiloten wie Jochen Rindt, Peter Peter, Helmut Marko, Erich Breinsberg, Dieter Quester, Helmut Koinigg, Harald Ertl, Günther Huber und in späterer Folge Niki Lauda und Keke Rosberg gaben sich seit 1967 die Türklinke am Stadtrand von Wien in die Hand. Ein Jahr später verpflichtete „Masta“ Bergmann nach Abschluss seiner Ausbildung Ing. Gartner als Konstrukteur. Gartner konstruierte ab diesem Zeitpunkt selbständig die Kaimann 1300.

Für Gartner war die Motorsportbeziehung am Reißbrett zu wenig und er legte sich 1976 einen eigenen Formel Vau zu. Die Rennbegeisterung neben seinem Job als Konstrukteur schmeckte „Masta“ Bergmann so gar nicht. Bei seinem ersten Rennen zur österreichischen Bergmeisterschaft in Bad Mühlacken landete er im ersten Rennen auf Rang zwei im zweiten Rennen im Wald. In Folge fuhr er die Staatsmeisterschaft und einige Läufe zum Europapokal der Formel Super-Vau und erreichte mit einem dritten Platz am Österreichring und in Innsbruck das beste Saisonergebnis. Nach dieser Saison trennten sich die Wege von Gartner und Bergmann, denn Jo konzentrierte sich auf das Rennfahren. 1977 und 1978 ging es weiter in der Formel Super-Vau, anfangs noch mit Kaimann danach mit Lola. In Diepholz konnte er 1978 seinen erstes Rennen gewinnen.

Die Zeiten in der Formel 3 und 2

1979 startet der Wiener mit einem Martini-Renault in der Formel 3 und fuhr nur magere Ergebnisse ein. 1980 war er sowohl in der Formel 3 und in der Formel 2 mit einem March 782 BMW bwz. nach dem Unfalltod von Markus Höttinger in der Procar-Serie im Team von Dr. Helmut Marko am Start. 1981 konzentrierte er sich auf die Formel 2 und ging in der Staats- und Europameisterschaft mit einem Toleman 280-BMW an den Start. Rang zwei am Salzburgring war sein bestes Ergebnis.

Nach dem Gartner in den letzten Jahren als eigener Teamchef fungierte, kaufte er sich 1982 in das Formel 2 Team von Arturo Merzario ein. Mit einem March-BMW bestritt er die Formel 2 Europameisterschaft und musste bald erkennen, dass der Lebensretter von Niki Lauda nur auf die Schillinge von Gartner aus war und deshalb beendete man nach dieser Saison die Zusammenarbeit.

1983 war Gartner wieder sein eigener Herr und nahm mit einem Spirit 201-BMW die Formel 2 Europameisterschaft in Angriff. Vorbereitet wurden die Fahrzeuge wieder in der Werkstätte seines Vaters im Schnellbahnbogen in der Helenengasse – Wien-Leopoldstatt. Meistens in Nachtschichten, denn am Tag war Jo in der elterlichen Werkstätte tätig. Mit einem Sieg im französischen Pau und einem vierten Platz in Hockenheim schloss er die Saison ab.

1983 und 1984 organisierte er die Rennwagenausstellung „Motodrom“ am Wiener Messegelände. Neben Exponaten aus dem Rennsport, kam es im Freigelände zu Kartrennen mit 100 ccm Rennkarts. Prominente Teilnehmer Nelson Piquet, Michele Alboreto, Manfred Winkelhock, Niki Lauda und Dieter Quester.

Der langersehnte Sprung in die Formel 1

1984 ging es in Richtung Formel 1. Dank finanzieller Unterstützung der Austria Tabakwerke und des Maschinenherstellers EMCO ergatterte Gartner ein Cockpit im Osella-Alfa. Der Osella war eine italienische „Krücke“ und die erste Formel 1 Saison von Gartner von Ausfällen geprägt.

Auch ein zweiter Österreicher drängte in die Formel 1 – Gerhard Berger, Sohn eines Tiroler Speditionsunternehmers. Berger begann seine Karriere in der Trofeo Alfa Sud und kam relativ rasch in die Formel 3 und dabei in das Team von Dr. Helmut Marko. Der Grazer hatte sich bereits zu diesem Zeitpunkt mit Motorsporttalenten beschäftigt. Berger und Marko bauten ein geschicktes Netzwerk auf. Während Gartner in seiner Werkstätte mit ölverschmierten Händen an alten Kübeln schraubte, ging Berger mit wichtigen Leuten im Motorsport zum Skifahren. Dazu zählte der in Villach geborene BMW-Rennleiter Dieter Stappert, der Berger den Einstieg in das ATS Formel 1 Team und das Debüt am Österreichring im ATS BMW-Turbo ermöglichte. In Monza kamen drei Österreicher unter die ersten sechs. Niki Lauda siegte im McLaren TAG Turbo, Gartner wurde fünfter, Gerhard Berger sechster.

Kein Platz für drei Österreicher in der Formel 1

Es war absehbar, dass für Niki Lauda nach dem Gewinn des dritten Weltmeistertitels die Saison 1985 die letzte in der Formel 1 sein wird. Dementsprechend hart wurde die Nachfolge zwischen Berger und Gartner um ein Cockpit bei Arrows ausgetragen. Während Berger seine Drähte in Richtung München glühen ließ, pokerte Gartner vorerst mit Osella und musste rasch feststellen, dass die Verhandlungen nur dazu dienten um die Mitgift des italienischen Piloten Piercarlo Ghinzani in die Höhe zu treiben. Berger sicherte sich das Arrows Cockpit und für Gartner war der Formel 1 Traum beendet.

Zurück im Schnellbahnbogen gab es vorerst nur eine Connection zur ÖBB, denn je länger er in seiner Werkstatt stand, desto öfter donnerten die Züge über die Decke.

Wechsel in die IMSA Serie und in die Gruppe C

Doch es kam überraschend zu einer Wende. John Fitzpatrick engagierte Gartner für die Langstrecken WM und in Le Mans kam der Wiener mit dem Porsche 956B mit David Hobbs und Guy Edwards auf den vierten Rang.

Nach diesem Ergebnis wurde man auch in Amerika auf Gartner aufmerksam. 1986 bestritt er mit Teameigentümer Bob Akin und Hans Joachim Stuck im Coca Cola Porsche 962 die IMSA Serie und feierte einen Sieg in Sebring. In Europa fuhr er für Kremer Racing den Porsche 962 in der Gruppe C bei diversen Rennen zur Weltmeisterschaft, in der Interserie und im Supercup, sowie in Le Mans.

In Le Mans 1986 teilte er sich das Cockpit im Kremer Porsche mit Kunimitsu Takahashi und Sarel van der Merwe. Gartner klagte über das Fahrverhalten des Porsche. Auf Grund des hohen Anpressdruckes der Aerodynamik auf die Hinterachse mussten bei Boxenstopps laufend Teile an dieser gewechselt werden. Bei Jo Gartner vielleicht einen Boxenstopp zu spät. Er übernahm das Auto von Sarel van der Merwe und schlug um 3:12 Uhr mit dem Porsche 962 auf der Hunaudières mit über 300 km/h in die Leitplanken ein. Gartner verstarb noch an der Unfallstelle infolge eines Genickbruchs, HANS war zu diesen Zeiten nur ein Vorname. Die genaue Unfallursache konnte bis heute nicht eruiert werden, wahrscheinlich ein Materialdefekt an der Hinterachse, ein Fahrfehler wurde ausgeschlossen.

Das Grab von Jo und seinen Eltern Josef und Kristina ist am Döblinger Friedhof in Wien, zufällig heißt dort der Friedhofsgärtner Gerhard Berger.

Wir gedenken zum 30. Todestag.